Sonntag, 30. September 2012

Neues Praktikum !

Ihr seid bestimmt alle gespannt, wie mein neues Praktikum ist und ich will euch natürlich nicht vorenthalten, wie meine erste Arbeitswoche war:
Es ist auf jeden Fall viel, viel besser! Am Montag wurde ich erstmal in die Organisation eingeführt und der "chargé du program" Ghislain hat mir alles wichtige erklärt. Mit ihm zusammen habe ich auch einen Plan erstellt, was ich jeden Tag mache während der ersten zwei Wochen! Es ist also wirklich alles viel duchorganisierter, weil die auch mehr Erfahrung mit Praktikanten haben.
Die ersten drei Tage waren allerdings etwas langatmig, weil ich viel lesen musste, natürlich auf französisch, aber ich habe eine Menge über die Abläufe von den Projekten gelernt. Hier wird alles genau dokumentiert, was für mich natürlich sehr hilfreich ist.
"Autre Vie" beschäftigt sich zum Bespiel mit AIDS-Aufklärung und Prävention, Gewalt gegen Frau oder Aufklärung über Kinderrechte und vieles mehr.
Ich habe diese Woche allerdings ein bisschen viel Arbeit schwänzen müssen, weil ich Mittwoch und Freitag stundenweise ins Krankenhaus musste wegen des Beins. Die Fäden sind jetzt übrigens draußen und es verheilt gut!
Am Donnerstag bin ich dann mal aus dem Büro gekommen und habe Florent bei seiner Tätigkeit als Supervisor begleitet. Wir waren in einem Dorf und haben dort das Projekt "Round9" kontrolliert. Dort kamen dann die ehrenamtlichen Mitarbeiter zusammen, die sich bereit erklärt haben AIDS-Aufklärung in ihren Gemeinden zu betreiben. Denen haben wir Sachen gegeben, wie zum Beispiel Rucksäcke oder Regenjacken, aber auch einen Phallus! Hab auch noch einen zu Hause, fand ich irgendwie lustig ! Ist aus Holz und sieht sehr wahrheitsgetreu aus ;)
So viel hab ich leider nicht verstanden, weil man hier natürlich hauptsächlich Fon oder Yoruba redet, damit auch wirklich alles verstanden wird. Es war aber trotzdem interessant!
Danach haben wir ein paar Orte abgeklappert, wo die Leute angeblich Aufklärung betrieben haben. Das heißt, wir haben gefragt, ob sie die Person kennen, was sie über AIDS jetzt wissen oder ob sie Kondome bekommen haben (die werden nämlich kostenlos verteilt). Es werden immer ziemlich viele Leute damit erreicht, teilweise 2500 im Monat!
Es war sehr interessant, mal zu sehen, wie so ein Projekt vor Ort abläuft und was umgesetzt werden kann, vor allem nachdem ich das alles vorher schon einmal in der Theorie gelesen hatte. Einen haben wir zum Beispiel auch erwischt, der gar keine Aufklärung betrieben hat, sondern was falsches angegeben hat. Man kriegt hier nämlich auch eine kleine Aufwandsentschädigung, wie bei uns, was aber nicht zum Leben reicht.
Morgen geht es dann weiter, ich werde dann weitere Projekte besuchen! Die Kollegen sind wirklich super nett und bemühen sich sehr um mich. Ich kann immer was nachfragen und sie selber wollen auch viel über Deutschland erfahren. Sie haben mich letztens alle wie ein Auto angeguckt, als ich ihnen von Arbeitlosengeld erzählt habe! Außerdem wollen sie gerne, dass ich ihnen ein bisschen Deutsch beibringe, freue ich mich schon drauf ;)
Allerdings gilt auch hier wieder, dass manche von ihnen viel arbeiten und ständig zu tun haben, andere aber auch oft bei facebook sind und ich gar nicht wirklich verstehe, warum sie eigentlich dort arbeiten...
Bin gespannt, wie es nächste Woche wird, wie die Projekte werden und was ich alles lernen werde.
Das hilft mir jetzt auf jeden Fall über meine Zukunft nachzudenken, ob die Arbeit für eine Hilfsorganisation das Richtige für mich ist :) Bin also definitiv zufrieden mit der neuen Arbeit, auch wenn ich natürlich auch dort manchmal rumsitze und gar nichts mache, aber das ist hier halt einfach so ...

Ansonsten gibt es zu berichten, dass die Regenzeit begonnen hat ... Am Donnerstag hat es den ganzen Vormittag geregnet ... Unser Hof stand knöcheltief unter Wasser und bei mir auf Arbeit war der Strom bis halb zwölf abgestellt ... Die Regenzeit wird also kein Zuckerschlecken!

Ansonsten haben wir das Wochenende bei unseren Freunden in Cotonou verbracht, waren bei einem Konzert und am Strand. Außerdem haben wir was mit Noras ehemaligen Arbeitskollegen und Kumpel gemacht. War wirklich schön, wir waren einfach mal ganz normale junge Erwachsene, die Zeit mit ihren Freunden verbringen, aber morgen ruft die Arbeit, wie bei ganz normalen Erwachsenen halt ;)

Am Ende noch eine traurige Geschichte, die mich wirklich wütend macht ...
Nora hat mir von einem Fall im Krankenhaus erzählt. Es handelt sich um eine anonyme Frau, die nicht spricht, weil sie wahrscheinlich psychisch krank ist. Man weiß also gar nichts über sie. Das ist auch das Problem. Die Frau hat einen offnen Bruch am Fuß, wahrscheinlich durch einen Verkehrsunfall. Da man aber nichts über sie weiß, zahlt auch keiner, weil man ja keine Verwandten anzapfen kann. Der "Service Social" ist für anonyme Fälle nicht vorgesehen. Hier heißt allerdings - kein Geld - keine Behandlung.
Seit drei Wochen lag sie also unbehandelt bzw. nur sehr notdürftig behandelt, in einem Bett auf der Chirugie. Natürlich kann sie nicht aufstehen mit dem Fuß, interessiert aber keinen. Ihre Bedüfnisse darf sie also im Liegen verrichten. Anscheinend haben sich die Pfleger mittlerweile vor ihr geekelt und sie nicht weiter beachtet. Die vom Service Social bereit gestellten Verbandssachen wurden nicht benutzt, wie der Fuß mittlerweile aussieht, will ich gar nicht wissen. Wahrscheinlich hinüber und nicht mehr zu retten ..
Ende letzter Woche wurde dann endlich mal der Verband gewechselt, wie weit man aber genau den Fuß weiter behandelt hat, weiß ich nicht. Man behauptet aber, dass man sich regelmäßig gekümmert hat, was der Bettnachbar allerdings widerlegt hat.
Auch für die Verhältnisse hier ist das ein Skandal, aber meiner Meinung nach, ist das selbst als Ausnahme nicht tragbar. Auch Noras Kollegen vom Service Social können sich nicht erklären, was mit dem Personal von der Chirugie nicht stimmt ...
Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickelt. Es würde mich nicht wundern, wenn die Frau bald stirbt unter diesen Bedingungen ...
Wenn ich was neues weiß, werde ich es berichten. Ich musste euch das nur erzählen, weil mich das sehr beschäftigt ..

Gestern ist mir bewusst geworden, dass ich nur noch acht Wochenenden habe, die es zu füllen gilt!! Wir haben schon fast jedes einzelne verplant. Die Zeit fliegt. Bald sitze ich wieder in meinem Zimmer, gucke auf mein geliebtes Hackethals und wundere mich, dass ich wirklich gerade 4 Monate in einer anderen Welt war, die schon wieder so weit weg erscheint, als wäre ich nie dort gewesen.
Aber dafür bin ich wieder bei euch, kann den Winter sowie Weihnachten genießen und deutsches Essen!! ;)

In diesem Sinne -
Bis zum nächsten Mal ...
Viele Küsse und Grüße nach Deutschland :)

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