Arbeit ist hier auf jeden Fall anders. Ihr
habt ja schon von meinem Arbeitsplatz mitbekommen, dass die Einstellung nicht
unbedingt der unseren gleicht. Irgendwie sind manche hier nicht wirklich
gewillt irgendwas zu tun und sitzen die meiste Zeit nur rum. Also, vielleicht
sind sie gewillt, aber es gibt halt einfach nichts zu tun. Allerdings arbeitet
hier auch der Großteil im Gewerbe, also hat einen kleinen Laden. Das ist, habe
ich das Gefühl, eigentlich die Standardantwort, wenn man nach dem Beruf fragt:
commerce!
Auffällig ist auch die Einstellung zur
Pünktlichkeit. Nora und ich sind am Anfang natürlich auf die Minute pünktlich
gewesen – wie man es aus Deutschland gewöhnt ist. Absolut überflüssig! Die
meisten kommen hier prinzipiell zu spät. Ich hab teilweise auf dem Markt 2
Stunden gewartet bis mal jemand von den Betreuerin kam, obwohl ich selber schon
eine halbe Stunde zu spät kam! Aber das ist natürlich nicht immer so, ist ganz
schön schwierig sich auf das richtige einzustellen! Was mir aber gefällt, ist,
dass man bei Regen erst kommen muss, wenn es aufgehört hat. Das ist sehr
praktisch, weil wenn es hier regnet, regnet es richtig doll und man wird auf
jeden Fall nass auf dem Arbeitsweg. Letzte Mal, als ich das noch nicht wusste,
war ich wirklich auf die Knochen nass und hatte zum Glück was zum wechseln
mitgenommen.
Ich möchte jedoch gerechterweise noch sagen,
dass Nora und mir schon aufgefallen ist, entweder man arbeitet nur sehr wenig
und gemächlich oder man ackert wie ein Pferd. Zum Beispiel unser Koordinator
Claude ist nur am Arbeiten oder auch Linda, unsere Köchin, hat sogar ihren Job
jetzt verloren, weil sie immer von uns zum Restaurant hetzen musste.
Was mich erschreckt hat, sind die Gehälter.
Unsere Köchin hat 13 000 CFA bekommen – das sind 20€, für einen Monat,
zweimal am Tag kommen und kochen, Wäsche machen und genau genommen auch putzen.
Den Stundenlohn möchte man sich lieber nicht ausrechnen – sie war jeden Tag
ungefähr 3h hier!!! Wir haben sie nicht unterbezahlt – das sind normale Gehälter.
Richtig gut verdient man erst als Anwalt oder Staatsangestellter.
Nora hat mir erzählt, dass die
Arbeitslosigkeit hier übrigens bei 90% liegt. 10% sind nur fest angestellt, das
sind dann wahrscheinlich auch die, die hier besser verdienen. Der Rest arbeitet
schwarz, kein Wunder, dass der Staat und die Entwicklung hier nicht in Gange
kommen …
Leider arbeiten hier viele Kinder, ich weiß
nicht, ob sich das mit dem Schulbeginn ändern wird, ich hoffe es mal. Vor allem
auf dem Markt verkaufen die Mädchen Dinge, die sie auf dem Kopf umhertragen und
die Jungs sieht man auf Baustellen oder in Werkstätten. Ich habe aber auch
schon einige getroffen, die keine Lust auf Schule haben, obwohl sie die
Möglichkeit dazu hätten. Sie erlernen dann einen Beruf, wie schneidern,
verkaufen oder frisieren, alles Sachen, die es hier wie Sand am Meer gibt! Wenn
man darauf achtet, merkt man auf jeden Fall, was alles hier noch nicht rund
läuft, damit die Wirtschaft in Schwung kommen kann …
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