Dienstag, 28. August 2012

Neue Woche, neuer Versuch


Leider ist der auch nicht viel besser gewesen. Ich habe mich am Montag schon sehr gefreut, als es hieß, mein Programm werde jetzt beginnen und ich zusammen mit einem Mitarbeiter zum Markt gefahren bin.
Dort hat er mich an einer Zweigstelle des „Passarelle“ abgesetzt, welche sich um Straßenkinder kümmert. Dort haben sie die Möglichkeit sich zu waschen, verarztet zu werden und in der Mini-Schule etwas zu lernen.
Leider hat sich an meiner Aufgabenzuteilung nichts geändert, ich habe weiterhin nicht wirklich etwas zu tun. Es ist aber nicht so, dass die Betreuer schwer beschäftigt sind, die sitzen meistens auch nur rum. Die einzige produktive Sache, die ich gemacht habe, war, etwas an die Tafel zu schreiben, weil die Kinder nebenbei das „j“ lernen sollten.
Es ist allerdings ein bisschen schwierig den Kindern etwas beizubringen. Die meisten Kinder sind damit beschäftigt etwas auf dem Markt zu verkaufen und sind deshalb nicht unbedingt immer lange da. Oder sie gehen zur Schule, das heißt, sie wissen bereits das meiste, was man ihnen versucht zu erklären. Und die wirklichen Straßenkinder, welche eigentlich nur Jungs sind, sofern ich das überblicken konnte, interessieren sich nicht dafür oder sprechen nur schlecht französisch.
Eigentlich sind die Kinder bisher immer sehr nett zu mir gewesen und sehr offen.
Die Straßenjungs sind allerdings sehr aggressiv und machen mir ein bisschen Angst. Ich verstehe ja nicht, was sie sagen, aber sie scheinen wegen jedem bisschen aus der Haut zu fahren und fangen an sich zu schlagen. Aber ich meine wirklich schlagen, ungefähr alle 10 Minuten prügelt sich jemand. Es ist für mich sehr schwer an die Jungs ranzukommen und ich probiere es nur geringfügig.
Heute habe ich allerdings mit ein paar Kindern schreiben und Zahlen geübt. Es haben sich alle sehr gefreut und waren mit großem Eifer dabei. Wir haben das bestimmt anderthalben Stunden gemacht und keiner hat den Spaß daran verloren. Einer der Straßenjungs kam dann auch hinzu und hat beim Rechnen sich sogar richtig angestrengt. Man merkt also schon, sobald sie intensive und aufrichtige Aufmerksamkeit bekommen, machen sie auch mit. Sie lassen sich allerdings sehr schnell von ihren Kumpels ablenken.
Ansonsten habe ich mich mit drei Mädels angefreundet, die neben der „Schule“ einen Stand mit Schmuck haben. Sie basteln die Ketten selber und verkaufen sie dann. Alle sind sie 22 Jahre alt und zwei von ihnen sind Zwillinge. Die eine hat mir heute eine Kette gebastelt und mir geschenkt, das finde ich sehr lieb von ihr. Die ist wirklich süß!
Außerdem habe ich heute gleich drei Heiratsanträge bekommen, einen von einen der Mädels, den anderen von ihrem Bruder und den dritten von einem ungefähr 50-jährigen Mann. Also, vielleicht hab ich doch noch Chancen auf eine Heirat hier ;) Aber ich heirate natürlich auch gerne dich, Lischen J
Da ich aber im Allgemeinen unzufrieden bin mit meinem Projekt, habe ich heute mit meinem Koordinator Claude gesprochen. Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich noch drei Wochen dort bleibe, damit ich eine Praktikumsbestätigung bekommen kann. Danach wechsle ich zu einer NGO (eine nicht-staatliche Organisation), die sich, soweit ich verstanden habe, auch mit Mädchen beschäftigt. Morgen redet ein Mann, den Claude beauftragt hat, mit dem Chef dort und dann weiß ich, ob das wirklich klappt.
Das wäre echt schön, weil ich langweile mich viel… Und es macht wirklich keinen Spaß jeden Morgen so früh aufzustehen, um doch nur wieder bei der Arbeit rumzusitzen und nichts zu tun.
Ansonsten fühle ich mich sehr wohl und komme immer bisher zurecht. Wenn die Arbeit jetzt noch besser wird, merke ich schon, wie die vier Monate verfliegen werden!
Ab morgen habe ich hoffentlich wieder ein richtig laufendes Fahrrad und auch sonst wendet sich alles dem besseren zu :) Ich hatte heute irgendwie einen optimistischen Tag :)
Allerdings hoffe ich, dass der Fluch der kaputten Sachen langsam mal aufhört. Mein Fahrrad, der Fernseher, die Autobatterie, mein Handy, der Ventilator im Wohnzimmer, mein Ventilator, der Kühlschrank und heute früh ging der Wasserhahn im Hof nicht mehr zu. Zum Glück konnten wir den Haupthahn zu stellen, sonst wäre uns noch was ins Wohnzimmer geflossen!
Also, hoffentlich wird morgen wieder alles ein bisschen weniger chaostisch :)

Alles Liebe,
eure Pauline

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