Leider ist der auch nicht viel besser gewesen. Ich habe mich
am Montag schon sehr gefreut, als es hieß, mein Programm werde jetzt beginnen
und ich zusammen mit einem Mitarbeiter zum Markt gefahren bin.
Dort hat er mich an einer Zweigstelle des „Passarelle“
abgesetzt, welche sich um Straßenkinder kümmert. Dort haben sie die Möglichkeit
sich zu waschen, verarztet zu werden und in der Mini-Schule etwas zu lernen.
Leider hat sich an meiner Aufgabenzuteilung nichts geändert,
ich habe weiterhin nicht wirklich etwas zu tun. Es ist aber nicht so, dass die Betreuer
schwer beschäftigt sind, die sitzen meistens auch nur rum. Die einzige
produktive Sache, die ich gemacht habe, war, etwas an die Tafel zu schreiben,
weil die Kinder nebenbei das „j“ lernen sollten.
Es ist allerdings ein bisschen schwierig den Kindern etwas
beizubringen. Die meisten Kinder sind damit beschäftigt etwas auf dem Markt zu
verkaufen und sind deshalb nicht unbedingt immer lange da. Oder sie gehen zur
Schule, das heißt, sie wissen bereits das meiste, was man ihnen versucht zu
erklären. Und die wirklichen Straßenkinder, welche eigentlich nur Jungs sind,
sofern ich das überblicken konnte, interessieren sich nicht dafür oder sprechen
nur schlecht französisch.
Eigentlich sind die Kinder bisher immer sehr nett zu mir
gewesen und sehr offen.
Die Straßenjungs sind allerdings sehr aggressiv und machen
mir ein bisschen Angst. Ich verstehe ja nicht, was sie sagen, aber sie scheinen
wegen jedem bisschen aus der Haut zu fahren und fangen an sich zu schlagen. Aber
ich meine wirklich schlagen, ungefähr alle 10 Minuten prügelt sich jemand. Es
ist für mich sehr schwer an die Jungs ranzukommen und ich probiere es nur
geringfügig.
Heute habe ich allerdings mit ein paar Kindern schreiben und
Zahlen geübt. Es haben sich alle sehr gefreut und waren mit großem Eifer dabei.
Wir haben das bestimmt anderthalben Stunden gemacht und keiner hat den Spaß
daran verloren. Einer der Straßenjungs kam dann auch hinzu und hat beim Rechnen
sich sogar richtig angestrengt. Man merkt also schon, sobald sie intensive und aufrichtige
Aufmerksamkeit bekommen, machen sie auch mit. Sie lassen sich allerdings sehr
schnell von ihren Kumpels ablenken.
Ansonsten habe ich mich mit drei Mädels angefreundet, die
neben der „Schule“ einen Stand mit Schmuck haben. Sie basteln die Ketten selber
und verkaufen sie dann. Alle sind sie 22 Jahre alt und zwei von ihnen sind
Zwillinge. Die eine hat mir heute eine Kette gebastelt und mir geschenkt, das
finde ich sehr lieb von ihr. Die ist wirklich süß!
Außerdem habe ich heute gleich drei Heiratsanträge bekommen,
einen von einen der Mädels, den anderen von ihrem Bruder und den dritten von
einem ungefähr 50-jährigen Mann. Also, vielleicht hab ich doch noch Chancen auf
eine Heirat hier ;) Aber ich heirate natürlich auch gerne dich, Lischen J
Da ich aber im Allgemeinen unzufrieden bin mit meinem
Projekt, habe ich heute mit meinem Koordinator Claude gesprochen. Wir haben uns
darauf geeinigt, dass ich noch drei Wochen dort bleibe, damit ich eine
Praktikumsbestätigung bekommen kann. Danach wechsle ich zu einer NGO (eine
nicht-staatliche Organisation), die sich, soweit ich verstanden habe, auch mit
Mädchen beschäftigt. Morgen redet ein Mann, den Claude beauftragt hat, mit dem
Chef dort und dann weiß ich, ob das wirklich klappt.
Das wäre echt schön, weil ich langweile mich viel… Und es
macht wirklich keinen Spaß jeden Morgen so früh aufzustehen, um doch nur wieder
bei der Arbeit rumzusitzen und nichts zu tun.
Ansonsten fühle ich mich sehr wohl und komme immer bisher
zurecht. Wenn die Arbeit jetzt noch besser wird, merke ich schon, wie die vier
Monate verfliegen werden!
Ab morgen habe ich hoffentlich wieder ein richtig laufendes
Fahrrad und auch sonst wendet sich alles dem besseren zu :) Ich hatte heute
irgendwie einen optimistischen Tag :)
Allerdings hoffe ich, dass der Fluch der kaputten Sachen
langsam mal aufhört. Mein Fahrrad, der Fernseher, die Autobatterie, mein Handy,
der Ventilator im Wohnzimmer, mein Ventilator, der Kühlschrank und heute früh
ging der Wasserhahn im Hof nicht mehr zu. Zum Glück konnten wir den Haupthahn
zu stellen, sonst wäre uns noch was ins Wohnzimmer geflossen!
Also, hoffentlich wird morgen wieder alles ein bisschen
weniger chaostisch :)
Alles Liebe,
eure Pauline
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