Donnerstag, 11. Oktober 2012


Auweia, hab mich ja jetzt ganz schön lange schon nicht mehr gemeldet …
Gab aber auch nichts Besonderes in den letzten Tagen, was mich zu einem Beitrag hätte motivieren können.
Nur eine wichtige Sache hatte ich beim letzten Mal vergessen!! Heute genau vor zwei Wochen hat sich nämlich ein Bekannter mit uns getroffen. Wir hatten gar keine Lust, weil wir den eigentlich auch nicht wirklich leiden können. Der hat irgendwie eine anstrengende Art an sich, aber wir wollten ja nicht unhöflich sein.
Wir haben uns also nach der Arbeit mit ihm getroffen (also um halb sechs, waren dementsprechend tot müde) und dann hatte er eine Sightseeingtour mit uns geplant (die Museen schließen hier eigentlich um sechs). Darauf hatten wir ja noch weniger Lust, wollten uns eigentlich nur eine Stunde oder so mit ihm treffen …
Er hat extra arrangiert, dass wir noch in die alte Königsresidenz können, obwohl die schon geschlossen hatten. Naja, dementsprechend viel aber die Führung auch aus, weil unser Guide ziemlich verstimmt war, der wollte wohl lieber nach Hause als uns noch da durch zu führen. Eine Führung von 15 Minuten, sowas hab ich auch noch nicht erlebt! Haben also so gut wie gar nichts erfahren, obwohl das eigentlich echt hübsch dort ist.
Danach meinte Sévèrine, wir würden jetzt noch woanders hingehen. Och nee, nochmal so eine peinlich Aktion? Wie, zum König? Ja, richtig, er hatte uns eine Audienz beim König reserviert! Es war allerdings schon halb sieben! Naja, aber gar nicht hingehen, wäre wohl auch unhöflich gewesen. Also, schnell aufs Moped und ab zum König!
Der war total cool. Also, wirklich cool. Seine Residenz liegt eher am Stadtrand und ist eigentlich nur ein großes Haus. Davor musste man sich die Schuhe ausziehen und dann durfte man in seinen „Thronsaal“. Ein Raum voller Fotos von ihm und anderen wichtigen Persönlichkeiten, einem Thron, einer Bank (wohl irgendein Geschenk) und ein Fernseher (natürlich! Die sind überlebenswichtig hier!! Der war natürlich auch an ;) ).
Auf der gegenüberliegenden Seite konnte man sich auf Teppiche setzen, nachdem man sich verbeugt hatte - also auf die Knie und die Stirn auf den Boden.
Dann konnte man dem König Fragen stellen. Ein sehr sympathischer Mann! Saß da auf seinem Thron, in seinem schicken silberglitzernden Gewand und konnte stundenlang erzählen. Nebenbei hat immer sein rosa Handy „Happy Birthday“ abgespielt, wenn jemand ihn angerufen hat und er hat immer nur abgewunken, die Augen verdreht, wenn sich jemand verbeugt hat.
Er hat immer sehr ausführlich geantwortet auf unsere Fragen, zum Beispiel, ob die Königreiche in Benin friedlich nebeneinander lebten oder ob er den Kommunismus oder den Kapitalismus befürwortet (in Benin hat man ja überlegt den Sozialismus auszuprobieren).
Das war wirklich ein Erlebnis und für mich das erste Mal bei einem König. Wenn die alle so nett und intelligent sind, wirklich ein sympathisches Menschengrüppchen ;)
Am Wochenende waren unsere Freunde aus Cotonou hier. Wir waren dann nochmal im Palast und haben diesmal eine ordentliche Führung bekommen – und diesmal war es wirklich interessant. Zum Beispiel sind die Türen alle ganz klein, damit man automatisch gebückt in den Raum kommt, falls der König auch gerade da ist! Der hat allerdings schöne große eigene Türen ;)
Der nächste König wurde mit Hilfe des „Fa“s ermittelt. Das ist die Befragung der Ahnen, welche man mit einem Experten in Voodoo durchführen kann. Die Prozedur ist sehr interessant, hat Nora letztens was drüber gelesen:
Danach haben einfach einen Stadtbummel gemacht und die Jungs bekocht, natürlich deutsches Essen! Kartoffelbrei mit Möhrchen und gebratenen Zwiebeln, hat ihnen sehr gut geschmeckt :)
So viel zu unseren Wochenendaktivitäten..
Am 03.Oktober war ich in die Residenz zum Botschafter eingeladen, weil der Kanzler der Botschaft ein Bekannter meiner Mama ist. Dort haben dann 500 geladene Gäste die Wiedervereinigung gefeiert. Waren viele andere Freiwillige (von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) da und ich konnte mich mal ein bisschen austauschen (ohne Probleme auf Deutsch, was für ein Luxus!) Es gab Becks, Kuchen (Kuuuchen!!), Nürnberger Würstchen und Gouda. Die Residenz ist riesig – mit Swimmingpool und Tennisplatz. Das Innere vom Gebäude hab ich nicht gesehen, nur ein Zimmer für den Flügel erspähen können. Der Botschafter wohnt da übrigens ganz alleine!! Es war wirklich ein schöner Abend, ich habe mich viel ausgetauscht und viele interessante Leute kennengelernt (einer hat ungefähr fünf Minuten gebraucht, um mir aufzuzählen, wo er schon überall gelebt hat).
Um Mitternacht sind die ganzen Freiwilligen dann in den Pool gesprungen und ich bin mit dem Praktikanten nach Hause gefahren, bei dem ich auch geschlafen habe (also der wohnt zur Untermiete bei einer Botschaftsmitarbeiterin). Es war fast wie ein kleiner Ausflug nach Deutschland! Hab ziemliches Heimweh bekommen, wie auch nicht, wenn man die ganze Zeit Bilder von seiner Heimat auf einer Leinwand sieht und darüber diskutiert, ob Neukölln bald zu einem Kultbezirk wird oder nicht. Leider war der Abend viel zu schnell um und ich musste wieder nach Porto-Novo (die Botschaft bzw. die Residenz ist in Cotonou).
Aber ich bin froh, dass ich nicht dort in der Botschaft arbeite. Es ist eine andere Welt dort und ich denke fast, dass der Praktikant Benin nicht wirklich kennenlernen wird. Aber für einen Abend war es wunderschön!
Mein Praktikum lief leider nicht so toll. Die letzte Woche hab ich mich am Montag und Dienstag nur gelangweilt, Mittwoch bin ich früher gegangen wegen der Feier. Donnerstag waren wir wieder auf dem „terrain“, also Projektbesichtigung. Wir saßen dort auch nur viel rum, weil wir ständig auf was warten mussten und wenn was los war, hab ich nichts verstanden, weil die in der lokalen Sprache geredet haben.
Diese Woche hatte ich eigentlich auf Besserung gehofft, weil der Chef letzte Woche gemeckert hat, dass ich nur rumsaß und diese Woche mir ganz viel zu arbeiten geben wollte. Hab ich mich natürlich gefreut, dass der Chef sich mir persönlich annehmen will.
Montag hatte er das schon wieder vergessen und ich musste erstmal wieder nachhaken. Das war auch seine Begründung für die letzte Woche, man hätte mich halt einfach vergessen … Cool.
Am Dienstag konnte ich zwar wirklich mal sinnvoll helfen, weil die nämlich sich bei USAID um eine Finanzierung für ein Projekt bemühen. Nur von denen kann ja keiner Englisch. Also hab ich Korrekturlesen gemacht, ab um elf war ich aber damit fertig. Um zwei waren dann alle weg, weil die meisten die Nacht durchgearbeitet haben. Bin ich also auch nach Hause.
Gestern war noch ganz interessant. Wir waren wieder bei einer Projektbesichtigung, der Weg war ziemlich anstrengend. Eine Stunde auf dem Motorrad hin – ist einfach nichts für mich ;)
Diesmal waren wir bei einer Gruppe, die in einem Wasserdorf lebt. Das war wirklich spannend, sowas selbst zu erleben. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei!!
Das Wasser ist an sich in den Dörfern nicht tief, also es geht einen knapp unter die Knie, trotzdem bewegt man sich meistens auf kleinen Booten (Piroggen) fort. Ich hab selbst Kinder im Alter von fünf gesehen. Das ist schon bewundernswert, wie die bei richtig starker Strömung fünf Leute in so einem schmalen Boot überhaupt irgendwo hin befördern können und dann auch noch an die gewünschte Stelle!
Die Häuser waren in diesem Dorf allerdings nicht auf Stelzen, zumindest nicht alle, sondern viel mehr auf Hügeln gebaut. Das Gemeinschaftshaus in dem wir waren, erreicht man dann nur über eine Leiter und weil das auf einem Hügel gebaut ist, ist der Boden auch sehr uneben.
Auch wenn es eine tolle Erfahrung war, war ich wirklich froh, als wir wieder gefahren sind. Irgendwie habe ich mich echt unwohl gefühlt so ganz ohne festen Boden…
Alles in allem war ich aber sehr unglücklich mit meinem Praktikum. Deswegen habe ich jetzt auch einen Entschluss gefasst. Wahrscheinlich ist die Enttäuschung einfach zu groß, dass mein ganzer Aufenthalt nur halb so schön geworden ist, wie ich es mir gewünscht habe. Es ist so schade, weil alles drum herum so stimmt. Ich habe neue tolle Freunde gefunden, eine liebe Mitbewohnerin und ich sehe und unternehme viel … Aber wenn nun mal die Hälfte des Tages unerträglich ist, ist es einfach kein Vergnügen. Ich denke einfach, dass es keinen Sinn hat nochmal nach einem anderen Projekt sich umzuschauen. Mein Koordinator kann mir nicht helfen, weil er selber von den Institutionen keine Ahnung hat und ich wollte ja eh nicht in ein Kinderheim oder so. Und wahrscheinlich bin ich einfach zu Deutsch für die Arbeit hier. Ich brauche halt Stress und Aufgaben, sonst fühle ich mich unwohl, das gibt es hier aber normalerweise nicht.
Heute habe ich alles mit meinen Eltern abgeklärt und am 21.Oktober werde ich wieder deutschen Boden unter den Füßen haben.
Ich bin sehr traurig, dass es so kommen musste, aber ich habe lange nachgedacht und es ist das Beste. Ich werde arbeiten gehen und Praktika machen in Deutschland, weitere Erfahrungen sammeln.
Ich habe meinen Aufenthalt hier schon seit anderthalb Jahren geplant, deswegen bin ich wahrscheinlich auch so kraftlos mir jetzt noch was anderes zu suchen, weil eine weitere Enttäuschung, wäre katastrophal für mich.

Ich freue mich auf euch alle und sehe es jetzt einfach positiv. Die nächste Woche möchte ich nochmal in vollen Zügen genießen und dann geht es halt wieder in die Heimat. Erfahrungen habe ich trotzdem gemacht und es war definitiv nicht umsonst.

Ich melde mich bestimmt nochmal vor meiner Abreise …
Bis dahin, alles Liebe und viele Küsse

Sonntag, 30. September 2012

Neues Praktikum !

Ihr seid bestimmt alle gespannt, wie mein neues Praktikum ist und ich will euch natürlich nicht vorenthalten, wie meine erste Arbeitswoche war:
Es ist auf jeden Fall viel, viel besser! Am Montag wurde ich erstmal in die Organisation eingeführt und der "chargé du program" Ghislain hat mir alles wichtige erklärt. Mit ihm zusammen habe ich auch einen Plan erstellt, was ich jeden Tag mache während der ersten zwei Wochen! Es ist also wirklich alles viel duchorganisierter, weil die auch mehr Erfahrung mit Praktikanten haben.
Die ersten drei Tage waren allerdings etwas langatmig, weil ich viel lesen musste, natürlich auf französisch, aber ich habe eine Menge über die Abläufe von den Projekten gelernt. Hier wird alles genau dokumentiert, was für mich natürlich sehr hilfreich ist.
"Autre Vie" beschäftigt sich zum Bespiel mit AIDS-Aufklärung und Prävention, Gewalt gegen Frau oder Aufklärung über Kinderrechte und vieles mehr.
Ich habe diese Woche allerdings ein bisschen viel Arbeit schwänzen müssen, weil ich Mittwoch und Freitag stundenweise ins Krankenhaus musste wegen des Beins. Die Fäden sind jetzt übrigens draußen und es verheilt gut!
Am Donnerstag bin ich dann mal aus dem Büro gekommen und habe Florent bei seiner Tätigkeit als Supervisor begleitet. Wir waren in einem Dorf und haben dort das Projekt "Round9" kontrolliert. Dort kamen dann die ehrenamtlichen Mitarbeiter zusammen, die sich bereit erklärt haben AIDS-Aufklärung in ihren Gemeinden zu betreiben. Denen haben wir Sachen gegeben, wie zum Beispiel Rucksäcke oder Regenjacken, aber auch einen Phallus! Hab auch noch einen zu Hause, fand ich irgendwie lustig ! Ist aus Holz und sieht sehr wahrheitsgetreu aus ;)
So viel hab ich leider nicht verstanden, weil man hier natürlich hauptsächlich Fon oder Yoruba redet, damit auch wirklich alles verstanden wird. Es war aber trotzdem interessant!
Danach haben wir ein paar Orte abgeklappert, wo die Leute angeblich Aufklärung betrieben haben. Das heißt, wir haben gefragt, ob sie die Person kennen, was sie über AIDS jetzt wissen oder ob sie Kondome bekommen haben (die werden nämlich kostenlos verteilt). Es werden immer ziemlich viele Leute damit erreicht, teilweise 2500 im Monat!
Es war sehr interessant, mal zu sehen, wie so ein Projekt vor Ort abläuft und was umgesetzt werden kann, vor allem nachdem ich das alles vorher schon einmal in der Theorie gelesen hatte. Einen haben wir zum Beispiel auch erwischt, der gar keine Aufklärung betrieben hat, sondern was falsches angegeben hat. Man kriegt hier nämlich auch eine kleine Aufwandsentschädigung, wie bei uns, was aber nicht zum Leben reicht.
Morgen geht es dann weiter, ich werde dann weitere Projekte besuchen! Die Kollegen sind wirklich super nett und bemühen sich sehr um mich. Ich kann immer was nachfragen und sie selber wollen auch viel über Deutschland erfahren. Sie haben mich letztens alle wie ein Auto angeguckt, als ich ihnen von Arbeitlosengeld erzählt habe! Außerdem wollen sie gerne, dass ich ihnen ein bisschen Deutsch beibringe, freue ich mich schon drauf ;)
Allerdings gilt auch hier wieder, dass manche von ihnen viel arbeiten und ständig zu tun haben, andere aber auch oft bei facebook sind und ich gar nicht wirklich verstehe, warum sie eigentlich dort arbeiten...
Bin gespannt, wie es nächste Woche wird, wie die Projekte werden und was ich alles lernen werde.
Das hilft mir jetzt auf jeden Fall über meine Zukunft nachzudenken, ob die Arbeit für eine Hilfsorganisation das Richtige für mich ist :) Bin also definitiv zufrieden mit der neuen Arbeit, auch wenn ich natürlich auch dort manchmal rumsitze und gar nichts mache, aber das ist hier halt einfach so ...

Ansonsten gibt es zu berichten, dass die Regenzeit begonnen hat ... Am Donnerstag hat es den ganzen Vormittag geregnet ... Unser Hof stand knöcheltief unter Wasser und bei mir auf Arbeit war der Strom bis halb zwölf abgestellt ... Die Regenzeit wird also kein Zuckerschlecken!

Ansonsten haben wir das Wochenende bei unseren Freunden in Cotonou verbracht, waren bei einem Konzert und am Strand. Außerdem haben wir was mit Noras ehemaligen Arbeitskollegen und Kumpel gemacht. War wirklich schön, wir waren einfach mal ganz normale junge Erwachsene, die Zeit mit ihren Freunden verbringen, aber morgen ruft die Arbeit, wie bei ganz normalen Erwachsenen halt ;)

Am Ende noch eine traurige Geschichte, die mich wirklich wütend macht ...
Nora hat mir von einem Fall im Krankenhaus erzählt. Es handelt sich um eine anonyme Frau, die nicht spricht, weil sie wahrscheinlich psychisch krank ist. Man weiß also gar nichts über sie. Das ist auch das Problem. Die Frau hat einen offnen Bruch am Fuß, wahrscheinlich durch einen Verkehrsunfall. Da man aber nichts über sie weiß, zahlt auch keiner, weil man ja keine Verwandten anzapfen kann. Der "Service Social" ist für anonyme Fälle nicht vorgesehen. Hier heißt allerdings - kein Geld - keine Behandlung.
Seit drei Wochen lag sie also unbehandelt bzw. nur sehr notdürftig behandelt, in einem Bett auf der Chirugie. Natürlich kann sie nicht aufstehen mit dem Fuß, interessiert aber keinen. Ihre Bedüfnisse darf sie also im Liegen verrichten. Anscheinend haben sich die Pfleger mittlerweile vor ihr geekelt und sie nicht weiter beachtet. Die vom Service Social bereit gestellten Verbandssachen wurden nicht benutzt, wie der Fuß mittlerweile aussieht, will ich gar nicht wissen. Wahrscheinlich hinüber und nicht mehr zu retten ..
Ende letzter Woche wurde dann endlich mal der Verband gewechselt, wie weit man aber genau den Fuß weiter behandelt hat, weiß ich nicht. Man behauptet aber, dass man sich regelmäßig gekümmert hat, was der Bettnachbar allerdings widerlegt hat.
Auch für die Verhältnisse hier ist das ein Skandal, aber meiner Meinung nach, ist das selbst als Ausnahme nicht tragbar. Auch Noras Kollegen vom Service Social können sich nicht erklären, was mit dem Personal von der Chirugie nicht stimmt ...
Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickelt. Es würde mich nicht wundern, wenn die Frau bald stirbt unter diesen Bedingungen ...
Wenn ich was neues weiß, werde ich es berichten. Ich musste euch das nur erzählen, weil mich das sehr beschäftigt ..

Gestern ist mir bewusst geworden, dass ich nur noch acht Wochenenden habe, die es zu füllen gilt!! Wir haben schon fast jedes einzelne verplant. Die Zeit fliegt. Bald sitze ich wieder in meinem Zimmer, gucke auf mein geliebtes Hackethals und wundere mich, dass ich wirklich gerade 4 Monate in einer anderen Welt war, die schon wieder so weit weg erscheint, als wäre ich nie dort gewesen.
Aber dafür bin ich wieder bei euch, kann den Winter sowie Weihnachten genießen und deutsches Essen!! ;)

In diesem Sinne -
Bis zum nächsten Mal ...
Viele Küsse und Grüße nach Deutschland :)

Dienstag, 25. September 2012

Gesundheitssystem (extra für die lieben Mediziner unter euch :) )


Pauline hat mich gebeten für ihre Verwandten und Bekannten, die im Gesundheitssektor tätig sind, einen kleinen Bericht über das Gesundheitssystem in Benin zu schreiben. Zwar will ich nicht behaupten, dass ich den kompletten Durchblick habe, aber ich konnte in den vergangenen Wochen doch einen Einblick gewinnen. Es folgt also ein kleiner Versuch euch diesen zu weiter zu vermitteln: 

Zunächst muss man (leider) feststellen, dass das Gesundheitssystem hier in Benin an allen Kanten und Ecken krankt. Es ist leider nicht so schön durchorganisiert und funktionstüchtig, wie wir es aus Deutschland kennen. Aber das ist natürlich nicht weiter verwunderlich, da Benin nun mal Entwicklungsland ist und sich dieses in der Regel in erster Linie in Bildungs- und Gesundheitsversorgung bemerkbar macht.
Zur allgemeinen Organisation: An der Spitze steht selbstverständlich das Gesundheitsministerium, hier werden alle wichtigen (politischen und finanziellen) Entscheidungen betreffend der Gesundheit getroffen. Anschließend kommt die Universitätsklinik CNHU in Cotonou, welche gleichzeitig die größte und am besten ausgestattete Klinik ist. Wobei ein Freund von uns meinte, dass auch dort die Ausstattung eher mangelhaft ist: Selbst dort sollen sie beispielsweise keinen MRT Scanner haben. Diese Info habe ich aber nur aus zweiter Hand! Jedes Department (elf gibt es insgesamt) hat ein größeres Krankenhaus, ein CHD. Ich arbeite im CHD – OP, also im „Centre Hospitalier Departemental Ouémé-Plateau“ (Pauline war mit ihrer kleinen Verletzung im CHD – Zou). Das CHD-OP hat theoretisch 400 Betten, wobei momentan wegen Renovierungsarbeiten nur 275 Betten nutzbar sind. Ich denke die anderen CHDs sind ähnlich groß. Anschließend gibt es die „Hôpital de Zone“ und zum Schluss die Gesundheitszentren. Von denen weiß ich jedoch nicht, wie groß sie sind und wie sie ausgestattet sind. Ich hatte auch irgendwo eine Grafik zur Dichte der medizinischen Versorgung gesehen, leider finde ich diese nicht mehr. Sie war jedenfalls ziemlich eindrucksvoll: Die Arztdichte ist erschreckend gering in Benin. Im Norden ist sie noch mal deutlich niedriger als im Süden. Nicht verwunderlich, da wohl mehr beninische Ärzte in Frankreich arbeiten als in Benin selber.
So viel zur allgemeinen groben Struktur. Nun zum CHD-OP, welches wohl repräsentativ für alle CHD’s ist:  Das Krankenhaus ist grundsätzlich ein sehr schönes Gebäude, aber trotzdem fällt sofort ins Auge, dass es an allem mangelt. Die Kranken liegen auf zum Teil kaputten Krankenhausbetten, Laken und ähnliches werden nicht gestellt. Die Patienten müssen alles selber mitbringen, was dazu führt dass sie beispielsweise oft direkt auf den Matratzen liegen. In den Gängen und Kabinen trifft man überall auf Menschen die ihre Angehörigen begleiten. Die sogenannten „garde-malade“. Sie haben sich richtige Lager eingerichtet und liegen oder sitzen auf dem Boden. Der Geruch ist teilweise bedenklich. Grundsätzlich ist die Hygiene ein großes Problem. Dies liegt zum einen daran, dass die Patienten beispielsweise nicht gewohnt sind Mülleimer zu nutzen (wenn sie vom Land kommen), oder auch Toiletten. Wobei es schon für die Belegschaft nur wenige funktionstüchtige Toiletten gibt und ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe, wo es Toiletten für die Patienten gibt. Aber auch das Personal, wie beispielsweise KrankenpflegerInnen setzt Hygienemaßnahmen, wie beispielsweise korrektes Händewaschen oder Trennung von medizinischem Müll,  nur mangelhaft durch. Es ist also nicht so klinisch rein im Krankenhaus, wie man es aus Deutschland kennt, sondern eher so wie man es bei uns aus einer Schule kennt. Natürlich gibt es auch Abteilungen, wie z.B. die Reanimation, in denen Hygienemaßnahmen besser durchgesetzt werden.
Grundsätzlich gilt im Krankenhaus erst Bezahlen und dann folgt die Behandlung. Zwar sind Behandlungen hier deutlich günstiger als in Deutschland, aber für die Bevölkerung hier ist es dann meistens doch ein Vermögen, das sie ausgeben müssen. Außerdem benötigt man hier dringend eine Begleitperson. Medikamente, dazu gehören auch Dinge wie Infusionen und Einwegspritzen, werden nicht einfach so von den KrankenpflegerInnen gebracht. Der Angehörige erhält eine „ordonnance médical“, also eine Liste allen Medikamenten, die der Kranke benötigt. Anhand dieser Liste kauft er dann selber in der Apotheke die zur Versorgung nötigen Medikamente ein. Auch Pflegearbeiten, wie Waschen, Füttern o.ä. der Patienten, werden nach meinen Beobachtungen nicht von KrankenpflegerInnen durchgeführt, sondern von Angehörigen. Es mangelt in allen Abteilungen an Personal, das Krankenhaus darf jedoch nicht mehr einstellen – Anweisung von ganz oben, dem Gesundheitsministerium.
Falls jemand wirklich gar keine Mittel hat ist der „Service Social“ zuständig. In dieser Abteilung bin ich gerade für drei Wochen tätig, was teilweise doch sehr schockierend und ernüchternd ist. Nach einer längeren Prozedur und viel Bürokratie können Bedürftige eine „prise en charge“ erhalten. Das heißt, der Staat kommt für ihre Behandlung auf (Beamte haben übrigens automatisch eine solche „prise en charge“). Hierzu wird die soziale Situation der Familie überprüft. Dies ist zwar eine wirklich gute Sache, aber reibungslos läuft es leider auch hier nicht, obwohl die in der Abteilung tätigen Sozialarbeiterinnen echt tolle Arbeit leisten. Aber auch sie sind übrigens hoffnungslos unterbesetzt. Der Staat stellt jährlich einen bestimmten Betrag für die Sozialfälle zu Verfügung. Ist dieser aufgebraucht, erhalten die Krankenhäuser das für Sozialfälle ausgegebene Geld nicht zurück. Ganz nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Insgesamt hat das CHD-OP durchschnittlich etwa 60 Fälle im Monat, die eine „prise en charge“ erhalten. Für die Armut hier eine, meiner Meinung nach, erstaunlich geringe Anzahl. Aber es wird eben zunächst mit allen Mitteln versucht, die Angehörigen zur Kasse zu bitten bis diese wirklich nicht mehr zahlen können. Außerdem handelt es sich bei den Sozialfällen meist um schwerwiegendere Krankheiten. Also meistens kranke Kinder oder Fälle für die Chirurgie. Bei nicht schwerwiegenden Dingen geht man hier einfach nicht zum Arzt, da man es sich nicht leisten kann.
Einige Aspekte sind auch wirklich gut hier – zumindest von der Idee her, in wie weit die Umsetzung immer gelingt, kann ich nicht sagen. So ist die Testung auf HIV immer kostenlos, fällt der Test positiv aus, ist auch die weitere Behandlung kostenlos. Wobei der zuständige Sozialarbeiter im CHD-OP meint, dass manchmal ganz schön jongliert werden muss, um alle zu versorgen. Die HIV-Rate in Benin liegt bei 3%. Des Weiteren ist die (Notfall-)Behandlung von Kindern unter fünf und von schwangeren Frauen kostenlos und der Kaiserschnitt ist seit 2009 auch.
Allgemein denke ich, dass hier doch mit den ziemlich beschränkten Mitteln versucht wird eine möglichst gute Gesundheitsversorgung zu erreichen. Zwar reicht sie lange nicht an das Niveau in Deutschland heran, aber grundsätzlich wird das Ziel verfolgt (wenn leider auch nicht immer erreicht), alle Kranken zu versorgen und zu behandeln.
Ich könnte natürlich  noch einiges mehr schreiben, aber irgendwo muss ich auch einen Punkt machen. Ich hoffe, dass waren die Art von Informationen, die ihr euch erhofft habt. Ansonsten könnt ihr natürlich auch gerne noch Fragen stellen. Für diejenigen, die Französisch können gibt es einen interessanten Bericht zur Gesundheit in Benin: „Enquête démographique et de santé“  Bénin, 2006. Der Bericht ist im Internet frei zugänglich.

Montag, 24. September 2012

was für eine aufregende Woche

Uiuiuiui,

haben wir viel erlebt in den letzten Tagen!
Ich hab euch ja schon ganz schön lange nicht mehr geschrieben und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Eigentlich wie jedes Mal, denn irgendwie ist hier immer viel los!
Vorletztes Wochenende haben wir einen Tanzkurs in Cotonou gemacht, das war toll. Wir haben dort ganz viele andere Freiwillige getroffen, allerdings alles Franzosen, da es von France Volontaire organisiert wurde. Kann jetzt zwei traditionelle afrikanische Tänze! Hat viel Spaß gemacht, kann ich euch ja dann allen mal vorführen :D Danach waren wir auf einem Festival, wo wir nochmal die traditionellen Tanzgruppen gesehen. Unten sehr ihr die Fotos, die sehen einfach zu seltsam aus, um es zu beschreiben! Man sagt ja, dass dort nichts darunter ist und die sich von Geisterhand bewegen! Ich glaube das ja nicht ;)
Dann war ja letzte Woche mein letzter Arbeitstag im Passerelle. Traurig war ich irgendwie gar nicht, aber natürlich tat es mir leid, dass die Mädchen ganz schön geknickt waren. Aber es war einfach immer so langweilig... Am letzten Tag kam allerdings eine Frau von "Kinderrechte Afrika", allerdings die französische Korrespodentin. Die hat dort alles kontrolliert, weil die ja das Passerelle finanziell unterstützen. Außerdem hat sie ein dreitägiges Seminar gemacht, von dem ich jetzt natürlich nur das erste mitbekommen habe. War aber sehr interessant, sie hat viele Tips gegeben, wie man den Kindern was beibringen kann und Informationsmaterial verteilt. Leider weiß ich nur ganz genau, dass das dort keiner nutzen wird ... Irgendwie fehlt einfach die Leidenschaft und das Interesse hinter dem Beruf, zumindest bei einigen ..

Dann ging es ja nach Abomey, erstaunlich reibungslos sogar! Wir hatten erstmal ganz schön Angst überhaupt nicht wegzukommen, weil reservieren konnte man nicht und es gilt, wenn voll ist, ist halt voll. War aber alles gar kein Problem. Nachdem wir eine halbe Stunde dann auf dem Ankunftsplatz mit den Moto-Taxi-Fahrern diskutiert haben, sind wir dann am späten Vormittag in Abomey angekommen und haben erstmal auf Claude gewartet. Das Touriprogramm ging allerdings erst am zweiten Tag los. Abomey ist wirklich schön, auch ganz ruhig, eine richtige Kleinstadt halt - 100 000 Einwohner. Es gibt auch viel mehr zu sehen, ist halt eine historisch bedeutende Stadt. Wir haben den Königspalast besucht und sogar den König persönlich gesehen, was ziemliches Glück war. Wir sind nämlich pünktlich zu einer Krönung von einem Grafen gekommen!
Die Paläste sind allerdings ganz anders als bei uns. Überhaupt nicht pompös und dementsprechend einfach. Liegt aber auch daran, dass jeder König einen neuen Palast gebaut hat und der wurde nach seinem Tod in Ruhe gelassen. Nur noch zum Todestag durfte der Palast betreten werden, vielleicht sind sie aus deswegen ganz anders. Sie sind übrigens immer gleich aufgebaut, man hat sich also nicht viel Mühe gegeben bei der Gestaltung, musste ja auch schnell gehen nach dem Tod des Vaters!
Außer dem gab es noch einen Kunstmarkt vor dem Palast - ich hab richtig viel Geld für eure Souvenire ausgegeben ;) Habe mir selber auch eine handgewebte Hängematte mit einem Nilpferd drauf gegönnt :)
Schon mal ein schönes Accessoire für die neue Wohnung :D
Sonst haben wir an dem Tag leider nichts mehr gemacht. Doch zum Glück wird es hier ja trotzdem nie langweilig! Als wir zum Essen fahren wollten, war der Zem von Nora langsamer als Claude und ich auf seinem Motorrad. Er hat Nora also an der falschen Stelle abgesetzt, waren aber nur 100m. Es war allerdings schon dunkel und Nora konnte uns alleine nicht entdecken. Deswegen bin ich sie holen gegangen. Leider war es schon so dunkel, dass ich den Abwasserkanal nicht gesehen habe und geradewegs reingefallen bin.
Eigentlich ging es mir ganz gut, war natürlich ein bisschen geschockt und tat alles ein bisschen weh. Bin also wieder rausgekrabbelt und wollte weitergehen. Da hat Claude das mitbekommen und hat mich gefragt, ob es mir denn gut ginge. Da ist ihm erst aufgefallen, dass mein Bein voller Blut war, ich dachte es wäre einfach Schlamm gewesen. Ich habe also ein kleines Loch im Bein gehabt, was ziemlich kräftig geblutet hat.
Die Laterne war übrigens eine halbe Stunde später an ...

Habe also das hinbekommen, was ich unbedingt vermeiden wollte: Krankenhaus!
Aber dafür kann ich euch jetzt schicke Bilder präsentieren und euch erzählen, wie es ist!
Der meinte Apotheker zu uns, wir sollten lieber ins Krankenhaus damit fahren. War auch gut, weil es nicht aufhören wollte zu bluten. Dort angekommen, war allerdings niemand aufzufinden in der Chirugie und ansonsten war es auch menschenleer. Irgendjemand meinte dann, die seien draußen. Dort haben die drei Pfleger gemütlich Orangen gegessen und sich erstmal in Ruhe draußen erklären lassen, was passiert ist. Ich musste die ganze Zeit total lachen, ich fand die Situation einfach lustig, die blöde blonde Weiße, die nicht mal die Augen richtig aufmachen kann, fällt mitten in der Nacht in einen Kanal! Als Claude auch noch meinte : "Elle est tombée dans une cannal - completement!" - konnte ich nicht mehr!
Als wir in das Behandlungszimmer gegangen sind, musste ich erstmal schlucken. Wie in einem schlechten Film hat natürlich das eine Licht nicht richtig funktioniert und die ganze Zeit geflackert. Die Liege war schon kaputt und das Laken hat Löcher. Aber er hat sich die Hände vorher gewaschen und Handschuhe getragen!
Als klar war, dass es genäht werden muss, wurde ich erstmal wieder liegen gelassen und erstmal abgerechnet! Seltsamerweise haben sie Claude als Journalist Rabatt gegeben - von 10 000 CFA (15€) auf 3 500 CFA (5€) und auch meine gekauften Sachen aus der Apotheke benutzt und nicht die hauseigenen.
Nora hat brav meine Hand gehalten und mir Geschichten erzählt. So habe ich das alles relatib gut überstanden und zum Glück nicht mitbekommen, dass ich eine Spritze mit in das Loch bekommen habe, welches übrigens ungefährt 1cm tief ist...
Momentan sieht es aber gut aus, tut halt immer noch weh, aber ich kann gut laufen. Sonntag war Kontrolle und am Mittwoch muss ich wieder hin, allerdings dann hier nach Porto-Novo - aber da kann ich ja gleich mal Noras Arbeitsplatz kennenlernen!
Der Freitag war super! Wir haben uns einen Guide durch Abomey genommen für 2 Stunden (gerade mal 6€ pro Person!) und danach sind wir noch eine archologische Stätte besichtigen gegangen, wo man die Behausungen der Amazonen besichtigen konnte - welche während Kriegszeiten unter der Erde gelebt haben! In der Behausung, die ihr auf dem Foto sehen könnt, haben 30 Mann gewohnt, 7m unter der Erde. Das war echt abgefahren! War froh, als wir da wieder draußen waren!
Der Samstag war auch klasse, wir sind nach Dassa gefahren, was in fast mittig liegt. Dort sind die Hauptattraktion die "41 Hügel" von denen wir auch einen bestiegen haben. Es war wunder-wunderschön, man fühlt sich wie der König der Welt. Wir wollen versuchen nochmal dort hinzufahren und dann dort auch eine Nacht auf dem Hügel zu übernachten. Mal gucken, ob wir das hinkriegen! Unser Guide war auch echt super, hat uns ganz viel über die Pflanzen auf dem Weg erklärt und das mit ganzer Leidenschaft betrieben.
Danach haben wir noch zwei deutsche Mädels besucht, die dort in dem Dorf leben, was am Fuße des Berges liegt. Die beiden wohnen in einem von der GIZ gemieteten Haus und sind für ein Jahr mit weltwärts hier. War toll sich mal in seiner Muttersprache austauschen zu können!
Am 3.Oktober bin ich in die deutsche Botschaft eingeladen - 500 Leute kommen da!! Unter anderem auch 25 Freiwillige (darunter die beiden Mädels) von der GIZ - freue mich schon sehr! Wird bestimmt super :)
Am Sonntag ging es dann zurück, was ganz schön anstregend war, weil wir nur in einem ganz kleines Bus Platz gefunden haben und das nach anderthalb Stunden warten. Zu Hause endlich angekommen, ist uns was ganz schön peinliches passiert. Wir wollten eigentlich einkaufen, hatten aber nur noch wenig Geld. Ist ja aber eigentlich kein Problem, hab ja meine Karte. Waren also in dem Supermarkt (der ist super!! Die haben da sogar Kiri und Prinzenrolle! :D ) und haben all unser Geld ausgegeben. Blöd nur, dass beide Automaten in unserer Nähe kaputt waren. Sind also extra zehn Minuten mit dem Zem gefahren zu einer anderen Bank - hatte aber nicht mehr genug Geld darauf - 18ct haben gefehlt, damit ich irgendwas hätte abheben können!
Also zurück zum Supermarkt und betteln, dass wir unseren Einkauf zurückgeben können. Geht aber nicht ... Jetzt haben wir allerdings einen neuen Freund, der Supermarktbestizer hat uns 10 000 CFA geliehen ! Naja, wir sind halt weiß und schnell wieder zu finden ;) Er kommt aus Senegal und ist übrigens auch weiß. Jetzt müssen wir wohl mal mit ihm essen gehen ;)
Sonst hat ja heute meine neue Arbeit angefangen! Und alles schick! Habe schon einen genauen Plan, was ich die nächsten zwei Wochen mache! Werde alle Projekte kennenlernen (wer interessiert ist: www.ongautrevie.org) und wahrscheinlich alles verstehen lernen. Die haben da viel Erfahrung mit Praktikanten und haben sich gut um mich gekümmert :) Bin zuversichtlich, dass das um einiges besser wird - muss jetzt nur leider von 8 - 17 Uhr immer arbeiten :( Aber nun gut, dass nehme ich in Kauf!


Soweit von mir!
Ich denke an euch alle und hoffe, dass die ersten Karten gut angekommen sind :)


Alles Liebe,
eure Kanalratte
Wartebereich im Krankenhaus

Krankenhaus
steiler Aufstieg

meine netten Pfleger (wirklich nett - so wie bei uns ;) )




typisches Dorfbild

typisches Taxi

Ein Zimmer der Amazonen



traditionelle Tanzverkleidung

der König von Abomey


Bluuuut!

Ausblick vom Berg




der neue Graf wird beglückwünscht


nochmal ein schöneres Bild von mir in traditioneller Kleidung - mit Kopftuch!
mein Kanal und ich! :)




Freitag, 14. September 2012

typische abendliche Position ;)
ist doch was für dich, Vivi, oder? :D (zum Glück in Noras Zimmer :p)
Baden verboten! Die wurden danach auch gleich ermahnt ;)


Jeremy und ich




das traditionell Kostüm - jetzt bin ich eine echte "Béninoise"
verwöhnt von Claudes Familie in Cotonou - 9 Teller für 2 Personen ;)

Arbeit


Arbeit ist hier auf jeden Fall anders. Ihr habt ja schon von meinem Arbeitsplatz mitbekommen, dass die Einstellung nicht unbedingt der unseren gleicht. Irgendwie sind manche hier nicht wirklich gewillt irgendwas zu tun und sitzen die meiste Zeit nur rum. Also, vielleicht sind sie gewillt, aber es gibt halt einfach nichts zu tun. Allerdings arbeitet hier auch der Großteil im Gewerbe, also hat einen kleinen Laden. Das ist, habe ich das Gefühl, eigentlich die Standardantwort, wenn man nach dem Beruf fragt: commerce!
Auffällig ist auch die Einstellung zur Pünktlichkeit. Nora und ich sind am Anfang natürlich auf die Minute pünktlich gewesen – wie man es aus Deutschland gewöhnt ist. Absolut überflüssig! Die meisten kommen hier prinzipiell zu spät. Ich hab teilweise auf dem Markt 2 Stunden gewartet bis mal jemand von den Betreuerin kam, obwohl ich selber schon eine halbe Stunde zu spät kam! Aber das ist natürlich nicht immer so, ist ganz schön schwierig sich auf das richtige einzustellen! Was mir aber gefällt, ist, dass man bei Regen erst kommen muss, wenn es aufgehört hat. Das ist sehr praktisch, weil wenn es hier regnet, regnet es richtig doll und man wird auf jeden Fall nass auf dem Arbeitsweg. Letzte Mal, als ich das noch nicht wusste, war ich wirklich auf die Knochen nass und hatte zum Glück was zum wechseln mitgenommen.
Ich möchte jedoch gerechterweise noch sagen, dass Nora und mir schon aufgefallen ist, entweder man arbeitet nur sehr wenig und gemächlich oder man ackert wie ein Pferd. Zum Beispiel unser Koordinator Claude ist nur am Arbeiten oder auch Linda, unsere Köchin, hat sogar ihren Job jetzt verloren, weil sie immer von uns zum Restaurant hetzen musste.
Was mich erschreckt hat, sind die Gehälter. Unsere Köchin hat 13 000 CFA bekommen – das sind 20€, für einen Monat, zweimal am Tag kommen und kochen, Wäsche machen und genau genommen auch putzen. Den Stundenlohn möchte man sich lieber nicht ausrechnen – sie war jeden Tag ungefähr 3h hier!!! Wir haben sie nicht unterbezahlt – das sind normale Gehälter. Richtig gut verdient man erst als Anwalt oder Staatsangestellter.
Nora hat mir erzählt, dass die Arbeitslosigkeit hier übrigens bei 90% liegt. 10% sind nur fest angestellt, das sind dann wahrscheinlich auch die, die hier besser verdienen. Der Rest arbeitet schwarz, kein Wunder, dass der Staat und die Entwicklung hier nicht in Gange kommen …
Leider arbeiten hier viele Kinder, ich weiß nicht, ob sich das mit dem Schulbeginn ändern wird, ich hoffe es mal. Vor allem auf dem Markt verkaufen die Mädchen Dinge, die sie auf dem Kopf umhertragen und die Jungs sieht man auf Baustellen oder in Werkstätten. Ich habe aber auch schon einige getroffen, die keine Lust auf Schule haben, obwohl sie die Möglichkeit dazu hätten. Sie erlernen dann einen Beruf, wie schneidern, verkaufen oder frisieren, alles Sachen, die es hier wie Sand am Meer gibt! Wenn man darauf achtet, merkt man auf jeden Fall, was alles hier noch nicht rund läuft, damit die Wirtschaft in Schwung kommen kann …