Auweia, hab mich ja jetzt ganz schön lange
schon nicht mehr gemeldet …
Gab aber auch nichts Besonderes in den
letzten Tagen, was mich zu einem Beitrag hätte motivieren können.
Nur eine wichtige Sache hatte ich beim
letzten Mal vergessen!! Heute genau vor zwei Wochen hat sich nämlich ein
Bekannter mit uns getroffen. Wir hatten gar keine Lust, weil wir den eigentlich
auch nicht wirklich leiden können. Der hat irgendwie eine anstrengende Art an
sich, aber wir wollten ja nicht unhöflich sein.
Wir haben uns also nach der Arbeit mit ihm
getroffen (also um halb sechs, waren dementsprechend tot müde) und dann hatte
er eine Sightseeingtour mit uns geplant (die Museen schließen hier eigentlich
um sechs). Darauf hatten wir ja noch weniger Lust, wollten uns eigentlich nur
eine Stunde oder so mit ihm treffen …
Er hat extra arrangiert, dass wir noch in
die alte Königsresidenz können, obwohl die schon geschlossen hatten. Naja,
dementsprechend viel aber die Führung auch aus, weil unser Guide ziemlich
verstimmt war, der wollte wohl lieber nach Hause als uns noch da durch zu
führen. Eine Führung von 15 Minuten, sowas hab ich auch noch nicht erlebt!
Haben also so gut wie gar nichts erfahren, obwohl das eigentlich echt hübsch
dort ist.
Danach meinte Sévèrine, wir würden jetzt
noch woanders hingehen. Och nee, nochmal so eine peinlich Aktion? Wie, zum
König? Ja, richtig, er hatte uns eine Audienz beim König reserviert! Es war
allerdings schon halb sieben! Naja, aber gar nicht hingehen, wäre wohl auch
unhöflich gewesen. Also, schnell aufs Moped und ab zum König!
Der war total cool. Also, wirklich cool. Seine
Residenz liegt eher am Stadtrand und ist eigentlich nur ein großes Haus. Davor
musste man sich die Schuhe ausziehen und dann durfte man in seinen „Thronsaal“.
Ein Raum voller Fotos von ihm und anderen wichtigen Persönlichkeiten, einem
Thron, einer Bank (wohl irgendein Geschenk) und ein Fernseher (natürlich! Die
sind überlebenswichtig hier!! Der war natürlich auch an ;) ).
Auf der gegenüberliegenden Seite konnte
man sich auf Teppiche setzen, nachdem man sich verbeugt hatte - also auf die
Knie und die Stirn auf den Boden.
Dann konnte man dem König Fragen stellen.
Ein sehr sympathischer Mann! Saß da auf seinem Thron, in seinem schicken
silberglitzernden Gewand und konnte stundenlang erzählen. Nebenbei hat immer
sein rosa Handy „Happy Birthday“ abgespielt, wenn jemand ihn angerufen hat und
er hat immer nur abgewunken, die Augen verdreht, wenn sich jemand verbeugt hat.
Er hat immer sehr ausführlich geantwortet
auf unsere Fragen, zum Beispiel, ob die Königreiche in Benin friedlich
nebeneinander lebten oder ob er den Kommunismus oder den Kapitalismus befürwortet
(in Benin hat man ja überlegt den Sozialismus auszuprobieren).
Das war wirklich ein Erlebnis und für mich
das erste Mal bei einem König. Wenn die alle so nett und intelligent sind,
wirklich ein sympathisches Menschengrüppchen ;)
Am Wochenende waren unsere Freunde aus
Cotonou hier. Wir waren dann nochmal im Palast und haben diesmal eine
ordentliche Führung bekommen – und diesmal war es wirklich interessant. Zum
Beispiel sind die Türen alle ganz klein, damit man automatisch gebückt in den
Raum kommt, falls der König auch gerade da ist! Der hat allerdings schöne große
eigene Türen ;)
Der nächste König wurde mit Hilfe des „Fa“s
ermittelt. Das ist die Befragung der Ahnen, welche man mit einem Experten in
Voodoo durchführen kann. Die Prozedur ist sehr interessant, hat Nora letztens
was drüber gelesen:
Danach haben einfach einen Stadtbummel
gemacht und die Jungs bekocht, natürlich deutsches Essen! Kartoffelbrei mit
Möhrchen und gebratenen Zwiebeln, hat ihnen sehr gut geschmeckt :)
So viel zu unseren Wochenendaktivitäten..
Am 03.Oktober war ich in die Residenz zum
Botschafter eingeladen, weil der Kanzler der Botschaft ein Bekannter meiner
Mama ist. Dort haben dann 500 geladene Gäste die Wiedervereinigung gefeiert.
Waren viele andere Freiwillige (von der Gesellschaft für internationale
Zusammenarbeit) da und ich konnte mich mal ein bisschen austauschen (ohne
Probleme auf Deutsch, was für ein Luxus!) Es gab Becks, Kuchen (Kuuuchen!!),
Nürnberger Würstchen und Gouda. Die Residenz ist riesig – mit Swimmingpool und
Tennisplatz. Das Innere vom Gebäude hab ich nicht gesehen, nur ein Zimmer für
den Flügel erspähen können. Der Botschafter wohnt da übrigens ganz alleine!! Es
war wirklich ein schöner Abend, ich habe mich viel ausgetauscht und viele
interessante Leute kennengelernt (einer hat ungefähr fünf Minuten gebraucht, um
mir aufzuzählen, wo er schon überall gelebt hat).
Um Mitternacht sind die ganzen
Freiwilligen dann in den Pool gesprungen und ich bin mit dem Praktikanten nach
Hause gefahren, bei dem ich auch geschlafen habe (also der wohnt zur Untermiete
bei einer Botschaftsmitarbeiterin). Es war fast wie ein kleiner Ausflug nach
Deutschland! Hab ziemliches Heimweh bekommen, wie auch nicht, wenn man die
ganze Zeit Bilder von seiner Heimat auf einer Leinwand sieht und darüber
diskutiert, ob Neukölln bald zu einem Kultbezirk wird oder nicht. Leider war
der Abend viel zu schnell um und ich musste wieder nach Porto-Novo (die
Botschaft bzw. die Residenz ist in Cotonou).
Aber ich bin froh, dass ich nicht dort in
der Botschaft arbeite. Es ist eine andere Welt dort und ich denke fast, dass
der Praktikant Benin nicht wirklich kennenlernen wird. Aber für einen Abend war
es wunderschön!
Mein Praktikum lief leider nicht so toll.
Die letzte Woche hab ich mich am Montag und Dienstag nur gelangweilt, Mittwoch
bin ich früher gegangen wegen der Feier. Donnerstag waren wir wieder auf dem „terrain“,
also Projektbesichtigung. Wir saßen dort auch nur viel rum, weil wir ständig
auf was warten mussten und wenn was los war, hab ich nichts verstanden, weil
die in der lokalen Sprache geredet haben.
Diese Woche hatte ich eigentlich auf
Besserung gehofft, weil der Chef letzte Woche gemeckert hat, dass ich nur
rumsaß und diese Woche mir ganz viel zu arbeiten geben wollte. Hab ich mich
natürlich gefreut, dass der Chef sich mir persönlich annehmen will.
Montag hatte er das schon wieder vergessen
und ich musste erstmal wieder nachhaken. Das war auch seine Begründung für die
letzte Woche, man hätte mich halt einfach vergessen … Cool.
Am Dienstag konnte ich zwar wirklich mal
sinnvoll helfen, weil die nämlich sich bei USAID um eine Finanzierung für ein
Projekt bemühen. Nur von denen kann ja keiner Englisch. Also hab ich Korrekturlesen
gemacht, ab um elf war ich aber damit fertig. Um zwei waren dann alle weg, weil
die meisten die Nacht durchgearbeitet haben. Bin ich also auch nach Hause.
Gestern war noch ganz interessant. Wir
waren wieder bei einer Projektbesichtigung, der Weg war ziemlich anstrengend.
Eine Stunde auf dem Motorrad hin – ist einfach nichts für mich ;)
Diesmal waren wir bei einer Gruppe, die in
einem Wasserdorf lebt. Das war wirklich spannend, sowas selbst zu erleben.
Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei!!
Das Wasser ist an sich in den Dörfern
nicht tief, also es geht einen knapp unter die Knie, trotzdem bewegt man sich
meistens auf kleinen Booten (Piroggen) fort. Ich hab selbst Kinder im Alter von
fünf gesehen. Das ist schon bewundernswert, wie die bei richtig starker Strömung
fünf Leute in so einem schmalen Boot überhaupt irgendwo hin befördern können
und dann auch noch an die gewünschte Stelle!
Die Häuser waren in diesem Dorf allerdings
nicht auf Stelzen, zumindest nicht alle, sondern viel mehr auf Hügeln gebaut.
Das Gemeinschaftshaus in dem wir waren, erreicht man dann nur über eine Leiter
und weil das auf einem Hügel gebaut ist, ist der Boden auch sehr uneben.
Auch wenn es eine tolle Erfahrung war, war
ich wirklich froh, als wir wieder gefahren sind. Irgendwie habe ich mich echt
unwohl gefühlt so ganz ohne festen Boden…
Alles in allem war ich aber sehr
unglücklich mit meinem Praktikum. Deswegen habe ich jetzt auch einen Entschluss
gefasst. Wahrscheinlich ist die Enttäuschung einfach zu groß, dass mein ganzer
Aufenthalt nur halb so schön geworden ist, wie ich es mir gewünscht habe. Es
ist so schade, weil alles drum herum so stimmt. Ich habe neue tolle Freunde
gefunden, eine liebe Mitbewohnerin und ich sehe und unternehme viel … Aber wenn
nun mal die Hälfte des Tages unerträglich ist, ist es einfach kein Vergnügen.
Ich denke einfach, dass es keinen Sinn hat nochmal nach einem anderen Projekt
sich umzuschauen. Mein Koordinator kann mir nicht helfen, weil er selber von
den Institutionen keine Ahnung hat und ich wollte ja eh nicht in ein Kinderheim
oder so. Und wahrscheinlich bin ich einfach zu Deutsch für die Arbeit hier. Ich
brauche halt Stress und Aufgaben, sonst fühle ich mich unwohl, das gibt es hier
aber normalerweise nicht.
Heute habe ich alles mit meinen Eltern
abgeklärt und am 21.Oktober werde ich wieder deutschen Boden unter den Füßen
haben.
Ich bin sehr traurig, dass es so kommen
musste, aber ich habe lange nachgedacht und es ist das Beste. Ich werde
arbeiten gehen und Praktika machen in Deutschland, weitere Erfahrungen sammeln.
Ich habe meinen Aufenthalt hier schon seit
anderthalb Jahren geplant, deswegen bin ich wahrscheinlich auch so kraftlos mir
jetzt noch was anderes zu suchen, weil eine weitere Enttäuschung, wäre katastrophal
für mich.
Ich freue mich auf euch alle und sehe es
jetzt einfach positiv. Die nächste Woche möchte ich nochmal in vollen Zügen
genießen und dann geht es halt wieder in die Heimat. Erfahrungen habe ich
trotzdem gemacht und es war definitiv nicht umsonst.
Ich melde mich bestimmt nochmal vor meiner
Abreise …
Bis dahin, alles Liebe und viele Küsse